Kardinalfehler beim Livestreaming – Beitrag im @uploadmag

Livestreaming

Livestreaming ist über mobile und stationäre Dienste mittlerweile kinderleicht. Dennoch sind mir in den vergangenen Jahren einige Dinge aufgefallen – auch bei meinen eigenen Projekten – die in eine falsche Richtung laufen.

Es wird kaum in Formaten gedacht: Man braucht einen roten Faden, der immer wieder erkennbar sein muss. Wenn jemand Tutorials UND Reportagen UND Interviews macht, dann spricht man jeweils eine andere Klientel an. So etwas sollte auseinander gezogen werden. In den Formattiteln muss die Programmatik der Live-Übertragungen ablesbar sein. Beispiele: XY-Experten-Roundtable; Tech-Talk – Wir stellen unsere neuen Produkte vor; #FragdenVorstandschef; Messegeschehen live; Neues aus dem vernetzten Kuhstall – Tipps für Landwirte; Die virtuelle Bierprobe;

Vorankündigung wird vernachlässigt: Bei Ereignissen, die man im voraus planen kann, sollte die Zeit für Ankündigungen genutzt werden. YouTube und mittlerweile auch Facebook bieten die Funktion, einen Livestream eine Woche vorher einzurichten. Mit dem Link zum Livestream und dem so genannten iFrame-Code zum Einbetten des Webplayers auf anderen Websites oder Blogs gibt es sinnvolle Instrumente, um die Aufmerksamkeit auf die Videoübertragungen zu steigern. Via Hangout on Air kann man übrigens Sendungen einige Monate vorher schon aufsetzen – etwa Jahreskongresse, Messeauftritte oder Workshops. Bei den Spontan-Übertragungen mit mobilen Apps empfiehlt sich der Einsatz eines Teasers für Vorankündigungen, auch wenn die Vorlaufzeit knapper bemessen ist.

Netzwerk-Effekte lässt man links liegen: Bei einer Fachrunde mit mehreren Experten sollte die Netzwerkstärke jedes Teilnehmers genutzt werden. Für die Käsekuchen-Diskurse von Netzökonomie-Campus formulieren wir im Vorfeld Thesenpapiere, berichten über die Thesen in Blogs, auf Facebook, Medium.com, LinkedIn Pulse, überlegen Hashtags für Twitter, kuratieren Fragen und Debattenbeiträge für die Moderation, erläutern für den Sendetermin die Möglichkeiten für Interaktionen und begleiten die Liveübertragungen mit Tweets und Facebook-Postings. Je früher und intensiver das praktiziert wird, um so besser laufen die Videobeiträge.

Liveübertragungen sollten auch Live-Charakter haben: Wer mit vorgefertigten Fragen arbeitet, Antworten nach Drehbuch präsentiert und sogar die Begrüßung vom Teleprompter abliest, kann auf Livestreaming verzichten. Live-TV im Netz lebt von der Spontanität. Glattgebügelte Video-Beiträge gibt es schon genug. Thematisch sollte der Anbieter von Livestreaming-Formaten gut vorbereitet sein. Aber beim Briefing der Teilnehmer darf es nicht zum Autorisierungswahn kommen. Regel: Es gilt das gesprochene Wort.

Weitere Fehler: Nachrichtenwert nicht vorhanden. Der Kontext des Einsatzes von Livestreaming-Diensten wird nicht bedacht. Interaktionen bei mobilen Apps bleiben auf der Strecke. Nachberichte erfolgen nicht zeitnah zum Event. Es gibt keine Selbstläufer-Wirkung im Netzwerk. Andere greifen das Geschehen nicht auf, da das Ganze zu werblich gestrickt wird.

Zum Schluss noch ein paar Technik-Tipps

Ausreichende Beleuchtung: Ein wichtiger Aspekt ist die Beleuchtung. Selbst mit guten Leuchten kommt man nicht gegen direktes Sonnenlicht an, das den Protagonisten durch ein Fenster von hinten bescheint. Damit sind nahezu alle Kameras überfordert. „Besser ist es, sich um neunzig Grad zu drehen und sich die Sonne ins Gesicht scheinen zu lassen. Aber auch das ist suboptimal, sollte sich sehr schnell eine dicke Gewitterwolke vor den ‚kostenlosen’ Scheinwerfer schieben. Optimal ist es, sich mindestens zwei Softboxen anzuschaffen, die den Teilnehmer von schräg links und rechts ordentlich ausleuchten. Bei den Softboxen ist darauf zu achten, dass sie Licht im Bereich des natürlichen Tageslichtes erzeugen. Das liegt zwischen 5300 und 6500 Kelvin“, so der Rat von Hannes Schleeh, mit dem ich die Sendung Bloggercamp.tv produzierte.

Guter Ton: Bei Liveübertragungen von Vorträgen oder Diskussionsrunden via Laptop bewährt sich der Einsatz eines Audio-Interface, um leistungsstarke Mikrofone anschließen zu können. Je größer die Runde ist, desto mehr Anschlüsse benötige ich am Audio-Interface. In der Regel reichen zwei bis vier Zugänge für XLR-Mikrofone. Läuft die Übertragung über einen Verstärker, gibt es Adapter, die sich mit dem Laptop verbinden lassen, um den Ton direkt vom Verstärker zu beziehen.

Für mobile Einsätze mit dem Smartphone gibt es mittlerweile eine Vielzahl von Mikrofonen, die sich direkt an das Gerät anschließen lassen. Bei einer Selfie-Aufnahme reicht ein Headset, um störende Geräusche in der Umgebung zu unterdrücken.

Kamera mit USB-Schnittstelle: Wer die Liveübertragungen über den Laptop organisiert, sollte sich eine externe Webcam mit USB-Anschluss in Full-HD-Qualität zulegen. Die gibt es schon für 50 Euro.

Insgesamt liegen die Investitionen für die von mir vorgeschlagene Livestreaming-Ausrüstung bei unter 500 Euro. Meine Faustregel: Es sollte alles in einen Rucksack passen. Wer High-End-Qualität anstrebt, erhöht die Fehlerquote beim Bedienen der Geräte und schießt mit Kanonen auf Spatzen. Das Ganze sollte alltagstauglich und schnell einsetzbar sein. Bei besonderen Anlässen, wie der Übertragung einer Hauptversammlung, empfiehlt sich die Beauftragung eines externen Dienstleisters. Ausführlich nachzulesen im Upload-Magazin.

Die komplette Ausgabe des UPLOAD Magazins 41 „Video im Marketing“ bekommt man hier.

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