In Deutschland fehlt Begeisterung für neue Medienformate @agoerlach

The European-Gründer Alexander Görlach
The European-Gründer Alexander Görlach

In den USA sieht der ehemalige The European-Herausgeber Alexander Görlach in den neuen Medien-Marken wie Mic, Vice oder Buzzfeed gute Karrierechancen für Journalisten. Viele ältere Kolleginnen und Kollegen, die vor einigen Jahren die Industrie mit einer Abfindung verlassen haben, seien allerdings von Altersarmut bedroht.

„Sie haben keinen Anschluss in diese neue Medienwelt gefunden. In Deutschland ist mein Eindruck, dass eher eingespart werden soll als ausgegeben und dass es deshalb Kolleginnen und Kollegen mit Erfahrung schwer haben, einen adäquaten Job zu finden – mit entsprechender Bezahlung. Bei den Jungen sieht es doch schon lange so aus, dass nach dem Volontariat keine unbefristete Festanstellung kommt, sondern man sich von Jahresvertrag zu Jahresvertrag hangelt“, so Görlach.

Die Strukturen werden ausgedünnt. Weniger Jobs bei hohen Bewerberzahlen führen zu einem weiteren Gehalts-Dumping.

„In den USA gibt es noch einige Akteure, die an die Zukunft von Journalismus glauben und die viel Geld investieren. In Deutschland gibt es keine entsprechende Begeisterung und Investitionen in diesem Maße“, so Görlach, Gastwissenschaftler an der Harvard University, Autor der New York Times und The World Post.

Volontariat immer noch am besten

Detlef Esslinger, stellvertretender Ressortleiter Innenpolitik und seit 2008 Volontärsbeauftragter der Süddeutschen Zeitung beurteilt das für den deutschen Markt anders:

„Wir bemühen uns, so vielen Volontären wie möglich am Ende ihres Volontariats eine Perspektive anzubieten und haben das bisher auch fast immer geschafft. Manchmal bekommt jemand seine Wunschposition, manchmal auch zunächst einen Job, der vielleicht nicht unbedingt das Ziel der Träume war. Aber die SZ ist intern äußerst durchlässig: Egal, welchem Ressort Sie angehören – Sie können auch in allen anderen Ressorts schreiben oder eines Tages intern fast überall hin wechseln.“

Manche Bewerber mögen zwar von einem Nadelöhr sprechen, wenn sie sehen, wie viele Bewerbungen es oft gibt, und wie wenige Plätze.

„Aber ist es das wirklich? Es ist ja vermutlich in jeder Branche dasselbe: Die einen schreiben 50 Bewerbungen und erhalten nie eine Einladung; die anderen schreiben drei Bewerbungen, werden dreimal eingeladen und können zwischen zwei Stellen wählen. Es hängt von der Qualität einer Bewerbung ab, ob sie einen vors Nadelöhr führt oder direkt zum Vorstellungsgespräch“, sagt Esslinger.

Der direkte Weg von der Journalistenschule in die Festanstellung sei hingegen sicher schwieriger geworden in den vergangenen zehn bis fünfzehn Jahren.

„Viele große Verlage haben ihre eigene Ausbildung systematisiert und professionalisiert – mit der Folge, dass auch wir unseren Nachwuchsbedarf in der Regel aus dem Kreis unserer Volontäre decken können“, führt Esslinger im Gespräch mit journalist.de aus.

Wie der Arbeitsmarkt für Journalisten in Zukunft aussehen werde, hängt, von der wirtschaftlichen Situation der Medienhäuser ab. Viele Medien haben in den vergangenen Jahren nicht Leser verloren, sondern gewonnen: „Die Leute lesen uns ja nicht nur gedruckt, sondern auch online und digital. Die Herausforderung in den kommenden Jahren besteht darin, aus möglichst vielen Lesern zugleich zahlende Kunden zu machen“, resümiert der SZ-Mann.

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