Bildende Kunst und die Netzwerkinitiative #Schmalbart gegen populistische Vereinfacher #StorydesMonats

schmalbart

„Breitbart News Network“ hat mit dem Aufbau eines Deutschland-Ablegers begonnen. Dessen Start könne nach Auffassung des Publizisten Christoph Kappes in Deutschland einen politischen Erdrutsch auslösen.

„Daher möchte ich ein Online-Projekt anstoßen, das man wohl als ‚Breitbart-Watch‘ bezeichnen kann“, verkündete Kappes bereits im November.

Da das Projekt allerdings erst jetzt so richtig zur Entfaltung kommt, nominieren wir es für die #StorydesMonats. „Schmalbart“ sei nur ein Arbeitstitel, aber nicht ganz anspielungsfrei gewählt, führt Kappes aus.

Womit sich Breitbart hervortue, sei gut zu beschreiben, denn es vermischt Methodik und Ideologie zu einer eigenen Melange: auf Boulevard-Mainstream aufsetzend (Vereinfachungen, Skandalisierung, Angstmacherei etc.), UND mit unfairen Mitteln wie Sachverhaltsverdrehungen, Fehlkontexten, mitunter auch Tatsachen-Fälschungen (gern „Fake News“ genannt) arbeitend UND mit einem Schuss Nationalismus und allen Facetten von Menschenfeindlichkeit in unterschiedlicher Dosierung, mehr oder weniger offen: minderheitentreffend, ausländerfeindlich, rassistisch UND unterlegt mit rechtsextremer Ideologie von Sozialdarwinismus, Leben als Kampf, geschichtlicher Notwendigkeit etc., auch gelegentlich flankiert von faschistischer Ästhetik abzielend auf die „Zerstörung der Medienklasse“ als einen Akt der Gegenwehr.

„Diese Kombination von Turbo-Boulevard mit politischer Agenda und bekannter Marke gibt es bei uns bisher nicht“, so Kappes.

Mit Breitbart Deutschland könnte sich das ändern.

„Breitbart ist anders – Breitbart knallt das Unsagbare sozusagen raus. Und das auch noch als täglichen Nachrichtenstrom, mit starker Redaktion und guter Kapitalausstattung.“

Man müsse also darauf gefasst sein, dass Breitbart in Deutschland eine ähnliche Bedeutung wie in USA gewinnen und einen politischen Erdrutsch auslösen könnte.

„Mein persönlicher Eindruck ist, dass es an Zivilcourage in der bürgerlichen Mitte fehlt – und zwar genau deswegen, weil man in der ‚Mitte‘ eine Normalität von Gesellschaft empfindet, ohne ihre Fragilität zu sehen, und man seit Nine-Eleven und der Finanzkrise das ständige Mitlaufen einer Krise spürt und aus Angst lieber wegschaut. Mit anderen Worten: Die Gesellschaft versteht ihr Funktionieren nicht, sie ist sich selbst einfach nur ‚da‘. Das Gefühl von Ohnmacht teilen viele, nicht nur Wähler von Populisten“, schreibt Kappes.

Sein erster Gedanke sei es gewesen, Schmalbart als Watchblog zu konzipieren. Das würde aber zu kurz greifen:

„Man muss sich zusammentun und entgegen aller Logik von Organisationen versuchen, statt ihres Fortbestandes ihren Zweck zu erreichen.“

Schmalbart sei nicht „Blog“, sondern wird Form und Formate so wechseln, wie es taktisch erforderlich ist. Schmalbart habe eventuell nicht nur eine Homebase auf Facebook, Schmalbart soll überall sein.
Siehe auch das Deutschlandfunk-Interview „Breitbart ist eigentlich nur der Aufhänger“ mit Christoph Kappes.

DIE HEXE. SIE IST SCHULD. AN ALLEM
DIE HEXE. SIE IST SCHULD. AN ALLEM

Eine Nominierung für die #StorydesMonats, die eine ähnliche Projektionsfläche hat, wie Schmalbart, ist die künstlerische Arbeit „DIE HEXE. SIE IST SCHULD. AN ALLEM“ von Edgar Piel.

Inspiriert wurde die Arbeit durch eine Art Langzeitbeobachtung von TICHYS EINBLICK, die täglich auf Facebook verlinkt werden.

„Den Herausgeber kenne ich seit Jahrzehnten. Eine Zeit lang war er als politischer Redakteur mein Projektpartner des CAPITAL-Führungskräfte-Panels. Mein – natürlich sehr subjektiver – Eindruck der täglichen EINBLICKE wurde mit der Zeit immer intensiver. Was ist da los? Da tanzen ein paar Herrn und zwei Damen teilweise auf merkwürdige Weise anmutig um einen Kessel mit brauner Suppe und sind durchaus bemüht, selbst keine braunen Flecken auf ihre Westen und Blusen abzubekommen. Das gelingt ihnen meistens – nur ab und zu steht man – wie jüngst – selbst mitten in der braunen Soße. Entschuldigt sich dann aber“, erklärt Piel.

Den journalistischen Sprachtänzlern gelinge es, ihr Publikum zu immer gleichen Ausrufen des Entzückens vor lauter Klarsicht zu animieren.

„Welcher Ton und welches Thema auch immer anschlagen wurden und werden, das selbstselegierte Lesepublikum kennt zu allem zwei Refrains: ‚Merkel muss weg!‘ und ‚Volksverrat‘ und zu jedem, der die Dinge anders sieht: ‚Verblendung‘ und ‚Hirngestört‘.“

Zum inspirierenden Glück finde die tägliche Veranstaltung als ein Stimmentheater statt, das manchmal in Kreischen übergeht. Dem Beobachter, der sich zunehmend mulmig fühle, steigen seltsame, grausig mit jüngerer und älterer Geschichte assoziierte Gestalten in den Kopf. „Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer“. So habe Goya eines seiner Caprichos von 1797 betitelt.

„Am Anfang meiner Malerei steht immer ein Chaos aus Klecksen, Farben und Verwischungen. Aus denen treten mir Gestalten vor Augen, Spuren. Mein Malen ist dann jeweils ein Suchprozess nach diesem Bild, das dort auf Papier oder Leinwand entstehen will. Mein Gott, was soll ich machen. Denn dieses Mal zeigen sich nur Teufel und Dämonen. Sie umkreisen eine Frau und randalieren über ihr und hinter ihr. Nein, die Hände dieser Frau gestalten keine Raute. So einfach wollen wir es uns nicht machen. Sie ist von Rot überschüttet, dem Feuer geliefert. Sie ist eine Hexe, für die Zeitgenossen von Goya war das immer klar wie ein Gottesbeweis. Zu Vieles läuft auch jetzt anders, als ein jeder es für sich, für die Eigenen, für das eigene Land haben möchte. Alles läuft gegen die Wand. Alles? Verdammt Alles! Dafür braucht es Ursachen und Schuldige. DIE HEXE. SIE IST SCHULD. AN ALLEM“, sagt Piel.

Zu Dr. Edgar Piel: Jahrgang 1946, geboren in Köln, Studium der Philosophie, Literatur- und Theaterwissenschaft. 1980 bis 2009 Leiter der Presseabteilung am Institut für Demoskopie Allensbach. Autor der sonntäglichen Kolumne „Volkes Stimme“ in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung 2002 bis 2009 . Bücher und zahlreiche Veröffentlichungen zur modernen Literatur und zu Politik und Gesellschaft. Hörspiele im SR, SWR, NDR, WDR und DSR (Schweiz). Seit 1997 Malerei und Ausstellungen in Deutschland, Italien, Norwegen.

Zum Monatswettbewerb #StorydesMonats siehe auch die Facebook-Notiz.

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