Lustvolle Twitter-Experimente: @stporombka gewinnt #StorydesMonats Januar

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Das Buch habe uns erzogen, die Sachen als abgeschlossen zu verstehen, als festes Gegenüber, sagt Literaturprofessor und Twitterat Stephan Porombka.

„Die neuen Formen des Lesens interessieren sich weniger für das Abgeschlossene. Es geht um Aneignung und um Weiterbearbeitung. Das heißt, dass sich Bücher in Texte verwandeln – und die wiederum erscheinen eher als Material, mit dem man etwas machen kann. Damit verfallen dann eine ganze Reihe von festen Regeln, die uns mit dem Lernen der Buchlektüre beigebracht worden sind.“

Drohnen-Selfie bei Mutzenbacher-Bettlektüre

Letztlich sind es lustvolle und kombinatorische Gegenwartsexperimente, die die Gegenwart nicht nur beobachten, sondern sie verändern. Erfolge habe schließlich NICHT in erster Linie der Erfinder oder kreative Zerstörer, sondern jener, der das Neue am besten organisiert und kombiniert, bemerkte der Ökonom Joseph Schumpeter in seiner Zeit an der Bonner Universität.

Als wahrer Pionier der kombinatorischen und experimentellen Gegenwartskultur erweist sich Porombka. Selbstporträts macht er nicht mit Selfie-Stab, sondern mit einer autonom fliegenden Drohne, die Fotos sogar in heiklen Momenten bei der Bettlektüre von Werken schießt wie „Josefine Mutzenbacher – oder Die Geschichte einer Wienerischen Dirne von ihr selbst erzählt”.

American Bookball und Adiletten mit Adorno-Plateausohlen

Die tägliche Rasur der Geheimratsecken, die zum professoralen Habitus von Porombka zählen, bleibt der Drohne nicht verborgen. Man sieht ihn bei frühsportlichen Übungen in der Disziplin „American Bookball”. Ein extrem hartes Buchtraining mit literarisch ausstaffierten Schulterpolstern im Miami Vice-Stil der 1980er Jahre.

Legendär ist auch der vierarmige Pullover mit dualem Stinkefinger für langweilige Konferenzen. Wegweisend sein achtjähriges Forschungsprojekt beim Abpausen des Gesamtwerkes von Franz Kafka. Das „Gerüst“ von Heideggers Opus “Sein und Zeit” hat der Twitteratur-Trendsetter mit Streichhölzern nachgebaut. Den Silberstreif am Horizont gibt es in der innovativen Porombka-Werkstatt in mobiler Version zum Mitnehmen.

Zudem offeriert er ein Brot mit USB-Schnittstelle und für den intellektuellen Sauna-Gang Adiletten mit Theodor W. Adorno-Plateausohlen.

Smartphone-Hüllen mit dem Wittgenstein-Hauptwerk „Tractatus logico-philosophicus” reduzieren die Blödheit beim öffentlichen Einsatz dieser mobilen Geräte. Es sind auf den ersten Blick völlig nutzlose oder gar dämliche Kombinationen, die Porombka der Netzöffentlichkeit demonstriert. Sie folgen dem Diktum von ästhetischen Experimenten, die jeder in seinem eigenen Umfeld praktizieren kann.

Improvisation zur Gestaltung der Gegenwart

„Wer improvisiert, weiß vorher gar nicht, wo es hin geht. Man weiß auch nicht, ob man ankommt. Improvisierendes Bearbeiten kennt den Endzustand nicht. Es setzt ein Spiel in Gang, das ein offenes ende hat und nicht nur deshalb fasziniert, weil am Ende etwas Gelungenes steht“, schreibt Porombka in dem eBook „Über 140 Zeichen“, erschienen im Frohmann-Verlag.

Aus guten Gründen wurde seine Twitteratur zur #StorydesMonats Januar gekürt – sozusagen als Gesamtkunstwerk. 38 Prozent der journalist.de-Leserschaft votierte für Porombka, dicht gefolgt vom bildenden Künstler Edgar Piel mit seinem Werk DIE HEXE. SIE IST SCHULD. AN ALLEM. Den dritten Platz belegt die Netzwerkinitiative #Schmalbart gegen populistische Vereinfacher. Wir sind schon auf den Februar gespannt 🙂

Mit dem Gewinner würden wir gerne ein Live-Hangout-Interview führen. Mal schauen, wann wir das realisieren können.

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