Raus aus der Tretmühle des Denkens in immer gleichen Kategorien – Utopie-Podcast #KönigvonDeutschland

KönigvonDeutschland

1516 beschrieb Thomas Morus (1478-1535) in seinem Roman Utopia eine ideale Gesellschaft. Damit gilt er als Begründer der modernen Sozialutopie. 500 Jahre später wagen Professor Dr. Lutz Becker und der Volkswirt, Journalist und Blogger Gunnar Sohn, beide lehren am Standort Köln, ein Experiment.

Spielen Utopien für Wirtschaft und Gesellschaft heute noch eine Rolle, oder müssen wir uns angesichts der Diskussion um „Alternative Facts“ auf das Handfeste und auf das Greifbare zurückziehen? Für Becker, der sich als Studiendekan Sustainable Marketing & Leadership“ seit vielen Jahren mit Strategie, Führung und Innovation befasst, sind kleine wie große Utopien ein zentrales Steuerungsinstrument in Unternehmen und Gesellschaft. Nicht selten stecken hinter Technologien komplexe Gesellschaftsentwürfe: ohne die Utopie der vernetzten Gesellschaft von Steve Jobs würde es keine Smartphones geben, ohne den Alan Musk-Traum von emissionsfreier Mobilität keinen Tesla. Und auch Wissenschaft braucht Utopien, um sich nicht im Kreis zu drehen.

„Utopien helfen uns dabei zu verstehen, wohin die Reise gehen kann und sollte. Oft sind es ganz profane Vorstellungen vom guten Leben, was immer das sein mag, die die Wirtschaft treiben. Utopien oder negativ formulierte Dystopien helfen uns zu verstehen, wohin wir die Weichen auch nicht stellen sollten. Wichtig ist aber auch, dass man alle Utopien mit einer kritischen Distanz betrachtet und nicht blind hinterher rennt, sonst kann es gefährlich werden. Stalins Utopie von der kommunistischen Gesellschaft ist höchst grausam geendet“, so Becker.

Für Gunnar Sohn geht es mit Friedrich Nietzsche darum, die Freiheit im Denken zu erschließen – Freiheit des Blicks und der Transparenz der Gedanken. Nietzsche fordert zu einem Was-wäre-wenn-Gedankenexperiment auf.

„Es geht um die Freiheit des Neuanfangs: Wer vorausblickt, hat das Mögliche als solches vor sich und ist nicht in die Wirklichkeit bestimmter Erwartungen verstrickt“, erläutert Sohn.

Raus aus der Tretmühle des Denkens in immer gleichen Kategorien.

In den beiden ersten Sendungen der Podcastreihe kommen Jörg Heynkes (Unternehmer und Politiker) und Professor Uwe Schneidewind (Präsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt und Energie) zu Wort.

Für Becker ist die Reihe nicht nur ein journalistisches Format, sondern auch ein Projekt der Wissenschaft und Lehre:

„Im Masterstudiengang Sustainable Marketing & Leadership setzen wir uns auch mit Utopien auseinander. Die Studierenden können sich mit verschiedenen Perspektiven auseinandersetzen. Wissenschaftlich interessiert mich, wie sich Utopien auch als Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen darstellen. Zudem geht es ganz pragmatisch darum, inwieweit man sie als Führungsinstrument in der Strategieentwicklung und in Innovationsprozessen integrieren kann. Das soll aber keinesfalls als Zukunftsforschung im herkömmlichen Sinne verwechselt werden.“

#KönigVonDeutschland, der Titel der Podcast-Reihe, wurde übrigens in Anlehnung an Rio Reiser (1950-1996) gewählt. Die letzte Frage jeder Sendung gilt der persönlichen Utopie der Gäste: „Was würde ich tun, wenn ich König von Deutschland wär….?“

Den Podcast gibt es auf Soundcloud oder iTunes

https://itunes.apple.com/us/podcast/ichsagmal-podcast/

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